Mutismus

Mutismus oder Wenn Kinder schweigen

Definition:
(lat.: mutuus = stumm)

Mutistische Kinder besitzen meist die Fähigkeit zu sprechen. Sie setzen diese jedoch in für sie fremden Situationen, an bestimmten Orten und/oder gegenüber einem bestimmten Personenkreis nicht ein. Sie verstummen, erstarren oder verständigen sich ausschließlich und konsequent mittels Gesten, Mimik oder schriftlichen Mitteilungen“. (Hartmann 1992)

Sobald jemand Fremdes in den Raum kommt, schweigen die betroffenen Kinder und Jugendlichen. Diese Stummheit bezieht sich in der Regel nicht nur auf die verbale Kommunikation, sondern auf das gesamte körperliche Kommunikationsverhalten. Eine starre Haltung, die Arme an die Seiten des Körpers gepresst, ist ebenso typisch wie fehlende nonverbale Kommunikationsmittel, z.B. Blickkontakt, Kopf nicken oder schütteln (Katz-Bernstein, 2011, S. 28-30).

Selektiv mutistische Kinder wirken oft ängstlich und innerlich verunsichert. An sich ist Angst ein sinnvolles Schutzsignal, welches uns auffordert vor Gefahren auszuweichen. Zu dieser bestehenden Ängstlichkeit lösen fremd bleibende Situationen und Menschen weitere Angstreaktionen bei den betroffenen Kindern aus, welche sich auch körperlich zeigen.

Zu diesen Reaktionen gehören beispielweise erhöhte Puls- und Atemfrequenz sowie vermehrte Schweißproduktion. Diese Angstreaktionen finden unbewusst statt. Die Kinder und Jugendlichen haben keinen Einfluss darauf. Dieses Gefühl der Angst lässt sich am treffendsten mit einer Mischung aus Aufregung, Anspannung, Besorgtheit, Ratlosigkeit, Hilflosigkeit und innerer Unruhe beschreiben. Diese Angstreaktionen der Betroffenen können sie an den Rand der sozialen Gruppe stellen (Bahr, 2012, S. 32-36).